Geschichten
Liebe Josefine (von Joachim Gauck (Bundespräsident) an seine Enkelin
es ist ein großes Geheimnis, dass, wenn wir selber verzagt sind, oft Menschen da sind,
die einen stabileren Grund unter den Füßen haben oder einen Kern in sich, dem sie trauen.
Die Menschen, denen ich nachlebe, hatten ihn aus ihrem Glauben. Sie vertrauten darauf, dass
dieses Bibelwort stimmt: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem
Namen gerufen, du bist mein…Zu hören, zu glauben, sich darauf zu verlassen, dass wir ganz zuletzt …
nicht mehr unserer Angst gehören, sondern Gott, dass eine stärkere Liebe existiert als die,
die wir Menschen zustande bringen, das, Josefine, lässt manche Menschen Hoffnung finden,
wenn andere aufgeben…
Wir können Angst nicht aus der Welt vertreiben. Aber Gott und Menschen sei Dank, sie bleibt nicht unsere Herrin. …
Weit wird das Land, wenn Menschen das glauben, und ruhig unser ängstliches Herz. Das meint, darauf hofft und das glaubt
Dein Großvater
Die Botschaft ( von Claudia Klütsch)
Martin Klütsch mag schlichte Hemden. Bei der Metro hat seine Frau ihm eins zu seinem 41. Geburtstag besorgt.
Als Claudia Klütsch die Verpackung aufreißt, fällt ihr ein kleiner Zettel in die Hände:
Es ist ein dringender Hilferuf, aus einem fernen Land. Die enge,
krakelige Handschrift darauf kann sie kaum entziffern.
Ihr Mann übersetzt mit Mühe die in Englisch verfasste
Ihr Mann übersetzt mit Mühe die in Englisch verfasste Botschaft: "Brauche Geld zum Leben.
Lege mein Schicksal in deine Hände." Auf der Rückseite: ein Name, Gazi Shahariyar
und eine Adresse aus Bangladesch. Das ist ein schlechter Scherz, denkt Martin Klütsch
und sagt seiner Frau, sie solle den Zettel wegwerfen. Doch sie zögert:
Was, wenn es den Absender dieser "Flaschenpost" wirklich gibt? Wenn der Mann tatsächlich in Not ist? Womöglich ist sie die Einzige, die davon erfahren hat? Frau Klütsch will helfen.
23 Dollar für einen Arbeiter in Bangladesch.
Ihr Mann gibt ihr den Tipp, die Presse anzurufen. Die können doch herausfinden,
ob die Adresse stimmt. Claudia Klütsch wendet sich an den Kölner Express,
der Express meldet sich beim Spiegel, der Spiegel will einen Reporter nach Bangladesch schicken.
Doch das alles dauert, und Klütsch kann so lange nicht warten.
Kurzerhand schreibt sie einen Brief an diesen Menschen, den sie nicht kennt, an Gazi.
Und weil sie es nicht übers Herz bringt, einfach nur Papier zu schicken,
steckt sie noch 23 Dollar mit in den Umschlag.
Einige Wochen später trifft der Brief aus Deutschland im Dorf Solakura in Bangladesch ein.
Der 28-jährige Gazi kann sein Glück nicht fassen. Seine Familie lebt in einer engen Hütte
aus Holz und Wellblech. Gazi ist einer der Älteren von zehn Geschwistern und muss
für alle Angehörigen sorgen. Das Geld, das aus Deutschland kommt, ist ein ganzer Monatslohn,
den Gazi als Arbeiter in einer Hemdenfabrik verdient. Hier hat er auch den
Zettel in der Verpackung versteckt. Er hat mit der Aktion seinen Job riskiert.
Doch dass tatsächlich eine Antwort auf seine "Flaschenpost" in den Westen kommt, hat er nicht zu hoffen gewagt. Gazi schreibt zurück und bittet um weiteres Geld.
"Man kennt sich schon lange"
Claudia Klütsch schickt weitere Briefe, doch Geld legt sie nicht mehr bei.
Sie fürchtet, dass die Briefe in dem für Korruption bekannten Land vorher
geöffnet werden. Eine Überweisung kommt auch nicht infrage, Gazi hat kein Konto.
In der Zwischenzeit bestätigt der Spiegel-Reporter: Gazi ist wirklich ein armer Mann.
Und seine Situation hat sich noch verschlimmert: Gazi hat seinen Job in der Hemdenfabrik verloren.
Claudia weiß nicht, wie sie Gazi weiterhelfen kann. Sie und ihr Mann wollen
ihn persönlich treffen. Stern-TV begleitet die beiden, die noch nie außerhalb
Europas waren, auf ihrer Reise nach Bangladesch.
Gazi wohnt eine Tagesreise mit dem Auto von der Hauptstadt Dhaka entfernt,
im völlig verarmten Süden von Bangladesch. So begegnen sich Absender und
Empfänger ein Jahr nach dem Hilferuf: "Ich hab das Gefühl, man kennt sich schon lange",
sagt Claudia Klütsch. Die Familie reagiert schüchtern auf die Besucher aus dem reichen Westen.
Doch stolz stellt Gazi seine Frau vor, sie ist schwanger.
Nach dem Treffen beschließt Familie Klütsch, für Gazi ein Konto einzurichten
und darauf jeden Monat 50 Euro zu überweisen, zumindest solange er noch arbeitslos ist.
Monate später weckt ein Anruf mitten in der Nacht Familie Klütsch:
Bei der Geburt seines Kindes gibt es Komplikationen, berichtet Gazi aufgeregt.
Ein Kaiserschnitt ist notwendig, doch die Ärzte wollen die Operation nicht durchführen:
Sie kostet umgerechnet 100 Euro und muss sofort bar bezahlt werden.
Am Telefon kann Claudia Klütsch die Ärzte doch noch umstimmen; sie verspricht ihnen,
die Kosten zu übernehmen.
Gazis Sohn wird gesund geboren, Raquibil Islam Rifat ist sein offizieller Name,
doch die Eltern rufen ihn aus Dankbarkeit gegenüber den Deutschen, Martin, wie Claudias Ehemann.
Familie Klütsch ist glücklich über den Ausgang ihrer außergewöhnlichen Geschichte:
"Nach der Geburt meiner Kinder war das Treffen mit Gazi das schönste Erlebnis, das ich je hatte."
Der Obdachlose (Quelle unbekannt)
Eines Tages sah eine junge Frau einen “Obdachlosen” auf den Straßen von Luanda (Angola) sitzen.
Sie näherte sich ihm, aber er ignorierte sie, da er es gewohnt war erniedrigt und beschimpft zu werden.
Ein Polizist, der das Geschehen beobachtete kam den beiden näher. ”Stört er Sie, Madame?”
Sie antwortete: “Auf keinen Fall – Ich sehe, dass der Herr Hunger hat
Kräfte um aufzustehen hat er auch kaum. Könnten Sie mir helfen,
ihn bis zum Restaurant zu tragen?”
Der Polizist half ihm, aber er wollte trotzdem nicht mitkommen, denn er konnte es
nicht glauben, was da gerade geschah.
Im Restaurant angekommen, kam der Kellner und sagte: “Verzeihen Sie Madame,
aber der Herr kann hier nicht sitzen bleiben, er wird meine Kundschaft vergraulen.”
Die Frau schaute ihn an und sagte: “Sehen Sie diese große Firma dort vorne?”
Sie zeigte mit dem Finger drauf. “Drei Mal die Woche kommen die Geschäftsleute
und deren Kundschaft hierher essen. Sie lassen eine Menge Geld da, richtig? –
Ich bin die Geschäftsführerin dieser Firma. So…, kann ich nun mit meinem Freund hier essen oder nicht?”
Der Kellner erstaunte, nickte und ging.
Aus den schmerzvollen Augen des Obdachlosen fiel eine Träne, gleichzeitig fragte er:
“Ich danke Ihnen sehr, aber womit habe ich es verdient?” Sie nahm seine Hände und sagte: “Kannst du dich nicht mehr an mich erinnern, Joao?”
“Sie kommen mir bekannt vor, aber ich wüsste nicht woher ich Sie kennen sollte. “
Mit Tränen in den Augen sagte sie: “Vor einiger Zeit, kam ich hier her
kein Geld, nichts! Ich kann mich noch ganz genau erinnern, ich hatte
sehr großen Hunger. Ich habe mich dort vorne hingesetzt, weil ich ein
Vorstellungsgespräch hatte in der Firma, in der ich heute Geschäftsführerin bin.
Plötzlich kam ein barmherziger Mann auf mich zu – Erinnern Sie sich, Joao?”
Er nickte, während sich seine Augen immer mehr mit Tränen füllten.
“Zu der Zeit haben sie noch hier gearbeitet. An jenem Tag aß ich das leckerste
Essen meines Lebens. Ich konnte meinen Blick nicht von Ihnen abwenden. Ich konnte es nicht fassen.
Dauernd fragte ich mich – Warum tut er das, womit habe ich das verdient?
Danach hatte ich so viel Kraft und Mut, dass ich mich aufgerappelt habe,
zu diesem Vorstellungsgespräch gegangen bin und wie durch ein Wunder
auch noch die Stelle bekommen habe. Ich konnte mein Glück nicht fassen.
ich habe mich fortgebildet, verdiente sehr viel Geld, habe Anteile der Firma gekauft
und nach einiger Zeit wurde ich Geschäftsführerin dieser Firma und habe sie zu dem gemacht,
was sie heute ist! Und ich wusste, eines Tages werde ich mich bei Ihnen revanchieren können.
Ich bin schon sehr lange auf der Suche nach Ihnen. Es tut mir im Herzen weh,
Sie heute so sehen zu müssen. Sie werden nie wieder auf der Straße schlafen.
Sie werden mit mir nach Hause kommen. Ich werde ihnen morgen Klamotten kaufen und ab morgen werden sie mit mir arbeiten gehen….”
Sie umarmten sich und weinten. Die Außenstehenden waren von der Lektion des Lebens so überwältigt, dass Ihnen Tränen nicht verschont blieben.